Die Diskussion zum zukünftigen ÖPNV in Hürth, die keine Diskussion sein wollte
Wie der Ausschuss ein Zukunftsthema ohne Debatte verabschiedete
Der Ausschuss für Planung hat am 23. Juni 2026 das Nahverkehrskonzept der Stadt Hürth für die Jahre 2026 bis 2035 verabschiedet. Ein Dokument mit großer Bedeutung für die kommenden zehn Jahre. Doch die politische Diskussion blieb aus. Nur ein FDP‑Vertreter stellte Fragen. Doch nur kurze Zeit später ruderte er zurück.
Ein Konzept, das die Zukunft prägt und politische Vertreter, die schweigen
Im Ausschuss für Planung lag ein Thema von erheblicher Tragweite auf dem Tisch: das Nahverkehrskonzept 2026–2035. Es bündelt alle Beschlüsse der letzten Jahre zum ÖPNV, darunter die Einstellung des Haltestellenausbauprogramms (Vorlage 5/2023) und die Einsparmaßnahmen im Stadtbusangebot (Vorlage 353/2023). Die Verwaltung beschreibt das NVK als „lesbare Zusammenfassung aller aktuellen Beschlüsse“ (Vorlage 168/2026).
Trotz dieser Bedeutung blieb die politische Debatte aus. CDU, SPD und Grüne stellten keine Fragen. Keine Diskussion zu den Ausnahmetatbeständen beim Haltestellenausbau. Keine Diskussion zu den beschlossenen Einsparungen. Keine Diskussion zur Zukunft des Stadtbusses. Die Sitzung wirkte, als sei alles bereits entschieden. Entschieden im nichtöffentlichen Arbeitskreis ÖPNV, der seit Jahren tagt und für Bürgerinnen und Bürgern nicht zugänglich ist.
Dabei war der Stopp des Haltestellenausbauprogramms 2023 ein bemerkenswerter Beschluss. Damals stimmten CDU, SPD, Grüne und FDP gemeinsam dafür, den barrierefreien Ausbau zu beenden. Mein eigener Antrag, den Ausbau in Teilen fortzuführen, wurde einstimmig abgelehnt.
Ein kurzer Moment der Debatte und ein schneller Rückzug
Unerwartet und vorsichtig meldete sich Dr. Karaus, FDP, ehemaliger Geschäftsführer des Stadtbusses. Er sprach von einem fehlenden Leitbild, kritisierte die geringe Rolle des Bahnhofs Kalscheuren im Konzept und merkte an, ob ein 15‑Minuten‑Takt nicht längst überfällig sei. „Ein bisschen ein Leitbild vermisse ich, wo wir eigentlich hinkommen wollen“, ergänzte er. Weiter kritisierte er die Tarife: „Für zwei Personen kostet die Fahrt nach Köln und zurück 22 Euro. Dafür kann ich den ganzen Tag im Parkhaus stehen.“
Es war der einzige Moment, in dem die Sitzung lebendig wurde.
Doch Bürgermeister Dirk Breuer bremste die Debatte sofort. Er erinnerte an den Ratsbeschluss vom 18. Februar 2025: Grundlage des NVK sei das bestehende Leistungsangebot. Keine Neuaufstellung, keine Vision, keine Angebotsplanung. Die Tarife seien nicht Sache der Stadt. Die Kosten würden steigen. Wer mehr wolle, müsse sagen, woher das Geld komme.
Nach dieser Antwort ruderte Dr. Karaus zurück. Aus klaren Forderungen wurden „Denkanstöße“.
Die SPD fragte schließlich, ob die Anmerkungen von Herrn Dr. Karaus nicht „politisches Alltagsgeschäft“ seien. Bemerkenswert ist diese Frage, da ihr Vertreter selbst im nichtöffentlichen Arbeitskreis sitzt und die Antwort kennen müsste. Der Nahverkehrsplan ist die Grundlage der zukünftigen Ausrichtung des ÖPNV in Hürth. Daher wäre eine gründliche Vorberatung im Arbeitskreis zwingend gewesen. Noch besser wäre die Ergebnisse öffentlich zu diskutieren.
Ein Konzept ohne Debatte und eine Zukunft, die Öffentlichkeit braucht
Am Ende stand ein Beschluss ohne politische Diskussion. Ein Konzept, das die nächsten zehn Jahre prägt, wurde verabschiedet, ohne dass CDU, SPD oder Grüne eine einzige Anmerkung machten oder eine Frage stellten. Das kann man als Kompliment an die Verwaltung lesen. Doch Transparenz entsteht nicht im Arbeitskreis, sondern im Ausschuss.
Die Verkehrswende braucht Öffentlichkeit. Sie braucht Mut. Sie braucht Debatten.
Am 23. Juni 2026 bekam sie davon nur einen kurzen Moment.