Abriss der alten AOK: Hürth setzt auf Wandel

von Saleh Mati am 27. August 2026

Können wir die späteren Risiken der Lebensader Lux tragen?

Der Abriss des früheren AOK-Gebäudes hat Hermülheim sichtbar verändert. Gleichzeitig treibt die Stadt den Umbau der Lebensader Lux voran und nutzt dafür Fördermittel des Landes NRW. Beide Projekte verlangen Mut, Geld und eine klare Strategie für die Zukunft.

Die Bilder aus Hermülheim zeigen, wie stark der Stadtteil gerade sein Gesicht verändert. Bagger reißen das alte AOK-Gebäude ab, Lastwagen fahren Schutt ab, und die Luxemburger Straße befindet sich in einem radikalen Wandel. Viele Menschen spüren die Baustelle täglich. Die Stadt greift damit aktiv in die Struktur des Ortskerns ein. Sie schafft Platz für neue Nutzungen, mehr Grün und eine moderne Verkehrsführung. Der Abriss kostet viel Geld, doch er öffnet Raum für eine neue Mitte, die später mehr Leben anziehen soll.

Parallel dazu baut Hürth die Lebensader Lux um. Dabei nutzt die Stadt das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), dass das Land NRW fördert. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung erklärt, dass Kommunen über das Programm Projekte starten können, die sie ohne Förderung kaum finanzieren könnten (Quelle: mhkbd.nrw). Damit soll sich die Luxemburger Straße zu einem Ort der Begegnung entwickeln, der weniger Verkehr, mehr Aufenthaltsqualität und bessere Wege für Radfahrende bietet.

Fördermittel helfen, doch sie verpflichten

Das Land NRW und der Bund investieren jedes Jahr dreistellige Millionensummen in die Städtebauförderung (Quelle: staedtebaufoerderung.info). Deshalb erhält Hürth Millionen aus dem Programm „Lebendige Zentren“. Damit nutzt die Stadt diese Chance, weil die neue Umgehungsstraße B 265n den Verkehr aus Hermülheim herausnimmt und eine Neugestaltung ermöglicht.

Doch Fördermittel lösen nicht alle Probleme. Deshalb weist der Bund der Steuerzahler darauf hin, dass Förderprogramme langfristig hohe Kosten verursachen können (Quelle: steuerzahler.de). Die Kommunen tragen später die hohen Kosten für die Pflege der neuen Flächen selbst. Genau hier liegt ein Risiko für Hürth. Zudem kämpfen die Stadtwerke und die Verwaltung bei ihren Planungen zum Haushalt bereits seit längerem mit hohen Ausgaben. Der Haushalt stützt sich stark auf Gewerbesteuereinnahmen, die nicht garantiert sind. Bereits in den letzten Monaten beschlossen die politischen Vertreter mehr Einnahmen aus Steuern, wie der Bettensteuer.

Gleichzeitig bleibt offen, ob sich später genug Gastronomie und Handel ansiedeln. Der Umbau schafft attraktive Flächen, doch der Markt entscheidet, ob neue Geschäfte kommen. Die Bilder aus Hermülheim zeigen eine Großbaustelle, die Hoffnung weckt, aber auch viele Fragen offenlässt.

Zwei ISEK Gebiete, ein großer Anspruch

Hürth gestaltet nicht nur Hermülheim neu. Auch Alt Hürth erhält ein ISEK, dass den Ortskern stärken soll. Die Stadt zeigt damit Mut und Weitblick. Bürgermeister Dirk Breuer treibt diese Projekte aktiv voran und setzt auf eine klare Vision für die Zukunft. Das verdient Anerkennung.

Doch die Stadt muss die Balance halten. Sie baut, gestaltet und investiert, während die finanzielle Lage angespannt bleibt. Daher zeigen die Abrissarbeiten an der alten AOK und der Bau der Lebensader Lux, wie stark Hürth auf Wandel setzt. Gleichzeitig zeigen sie, wie wichtig eine solide Finanzierung bleibt.

Teilen wir diesen Weg?

Hürth verändert sich rasant. Der Abriss der alten AOK greift tief in unser Zentrum ein und schafft Platz für Neues. Die Lebensader Lux kann Hermülheim beleben und dem Stadtteil ein frisches Gesicht geben. Doch dieser Umbau trifft uns direkt: Wir erleben die Baustellen, wir tragen die Kosten, und wir entscheiden später, ob diese neuen Räume wirklich leben.

Jetzt drängt sich eine Frage auf: Teilen wir diesen Weg oder fühlt sich dieser Wandel zu groß, zu teuer, zu unsicher an? Die Bilder aus Hermülheim zeigen eine Stadt im Aufbruch. Sie zeigen aber auch, dass jede Veränderung Zustimmung braucht.

Der Umbau läuft. Die Zukunft entsteht. Ob sie zu uns passt, ist die entscheidende Frage.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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