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Götterbaum oder Stadtfluch

von Saleh Mati am 4. Oktober 2026

Wie ein invasiver Baum Lücken im Grünflächenmanagement zeigt

Ein Spaziergang durch Hermülheim kann überraschen. Auf der Max-Planck-Straße stehen mehrere junge Götterbäume dicht beieinander, als hätte jemand sie bewusst gesetzt. Einige Meter weiter wächst ein weiterer Baum aus einer schmalen Ritze zwischen Gehweg und Mauer. Diese Beobachtung wirft Fragen auf, denn der Götterbaum gilt europaweit als invasive Art und steht auf der EU‑Unionsliste der gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung. Seine Ausbreitung bedroht heimische Pflanzen und belastet die Infrastruktur. Trotzdem wächst er auf städtischen Flächen, die laut Konzept der Stadtwerke Hürth eigentlich intensiv gepflegt werden sollen.

Ich erinnere mich an meine Zeit im Verwaltungsrat der Stadtwerke. CDU und Grüne stellten damals einen sehr guten Antrag, der die Grünflächen aufwerten und gezielter pflegen sollte. Daraufhin erarbeiteten die Stadtwerke ein Managementsystem, das Flächen in Pflegelevel eins – vier einteilt. Die Max-Planck-Straße liegt laut Vorlage im Level zwei, also im zweithöchsten Pflegegrad. Beim Anblick der jungen Götterbäume in der Max Planck Straße überraschte mich dieser Level.

Ein invasiver Baum mit stiller Sprengkraft

Der Götterbaum wächst extrem schnell, oft ein bis drei Meter pro Jahr. Er vermehrt sich über Samen und Wurzelsprosse, die sich bis zu zehn Meter weit ausbreiten können. Schon kleinste Wurzelreste bilden neue Triebe. Diese Eigenschaften machen ihn schwer kontrollierbar. Fachbehörden wie das LANUV NRW beschreiben ihn als konkurrenzstark, hitzeresistent und ökologisch problematisch.

Der Baum setzt chemische Stoffe frei, die den Boden rund um den Stamm verändern und heimische Pflanzen regelrecht zurückdrängen. Was auf den ersten Blick wie ein harmloser Baum wirkt, schafft in Wahrheit eine Zone, in der unsere heimische Vegetation kaum noch eine Chance hat. Wenn Pflanzen verschwinden, verlieren Insekten ihre ohnehin knappe Nahrung. Viele Arten kämpfen bereits ums Überleben, und der Götterbaum verschärft diese Lage weiter. Weniger Insekten bedeuten weniger Futter für Vögel, die auf diese Nahrung angewiesen sind. So entsteht ein stiller, aber tiefgreifender Schaden für das gesamte lokale Ökosystem. Der Baum wächst nicht nur schnell, er verändert aktiv die Bedingungen um sich herum. Das hat Folgen, die weit über ein einzelnes Beet hinausgehen.

Politik zwischen Anspruch und Realität

In den Managementvorlagen der Stadtwerke Hürth aus 2022 und 2023 steht viel über Pflegelevel, aber nichts über invasive Pflanzen. Das fällt auf, denn der Götterbaum steht seit 2017 auf der EU‑Liste der invasiven Arten von unionsweiter Bedeutung. Diese Liste gilt in allen Mitgliedstaaten, also auch in NRW. Die Länder setzen die Vorgaben über eigene Fachbehörden um. In NRW ist dafür das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zuständig. Das LANUV beschreibt den Götterbaum als „hoch invasiv“ und weist Kommunen ausdrücklich darauf hin, dass Befall früh erkannt und konsequent entfernt werden muss, um Schäden an Infrastruktur und Ökosystemen zu vermeiden (Quelle: LANUV NRW, Fachinformation invasive Arten, Stand 2024).

CDU und Grüne wollen laut Vorlagen die Stadtwerke nicht mit zusätzlichen Personalkosten belasten. Gleichzeitig soll die Pflegequalität steigen. Das wirkt wie die Quadratur des Kreises. Eine Aufwertung der Grünflächen kostet Geld, besonders wenn invasive Arten zunehmen. Die SPD beendete später meine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat, sodass ich Entwicklungen damals nur noch über das Sitzungssystem verfolgen konnte.

Der Anblick der Götterbäume zeigt jedoch, dass das Konzept Lücken hat. Wenn das Konzept invasive Pflanzen nicht berücksichtigt, gefährdet das langfristig unsere ökologische Vielfalt und unsere Infrastruktur. Damit wird der Götterbaum zur Gefahr, der wir Einhalt gebieten müssen. Auf öffentlichen Flächen darf der Baum nicht stehen bleiben. Er muss konsequent entfernt werden. Zudem verursachen seine Wurzeln schnell Schäden im sechs- bis siebenstelligen Bereich.

Ausblick

Ich werde CDU, SPD und Grüne anschreiben und anregen, das Thema invasiver Pflanzen verstärkt im Blick zu haben. Die Bäume auf der Max-Planck-Straße dürften ein bis zwei Jahre alt sein. Daher ist kein Warten möglich, sondern schnelles Handeln gefordert. Die Stadt braucht ein Grünflächenmanagement, das nicht nur gepflegte Beete mit hübschen Blumen verspricht, sondern zudem unser Ökosystem und unsere Infrastruktur schützt.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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