Wenn der Sonnenaufgang durch einen Spalt im Haus zu sehen ist

von Saleh Mati am 30. September 2026

Bürger aus der Kierdorfer Straße fürchten um ihre Häuser

Die Sitzung des Stadtrates war nach rund 15 Minuten vorbei. Es ist noch hell. Nach der Ratssitzung am Dienstagabend traf ich auf mehrere Anwohner der Kierdorfer Straße. Die Gruppe diskutierte über die Worte des Bürgermeisters. So kamen wir ins Gespräch. Erschüttert berichten die Bürger von Schäden an ihren Häusern. Die laufenden Bauarbeiten der Stadtwerke Hürth sollen zu Erdverschiebungen geführt haben, sagen die Menschen. Die Sorgen um die Häuser sind groß, die Antworten von den Stadtwerken und der Verwaltung mäßig, so die Bürger weiter.

Ein Vertreter der Anwohner hatte zuvor in der Fragestunde des Stadtrates gesprochen. Dabei bat er Bürgermeister Dirk Breuer, den Menschen in der Kierdorfer Straße zu helfen. Ihr Wunsch ist mit den Stadtwerken Hürth ins Gespräch über die Schäden vor Ort zu kommen. Bei den Arbeiten durch das von den Stadtwerken Hürth beauftragte Unternehmen sei es danach zu Erdbewegungen gekommen. Dabei sackte der Anbau eines Hauses ab. Der Anbau neigt sich vom Haus weg. Ein Betroffener sagt, er könne den Sonnenaufgang durch einen Spalt in der Wand seines Hauses sehen.

Die Versammelten teilen ähnliche Befürchtungen. Sie fürchten um ihr Eigentum. Weiter sorgt für Unmut, dass bei den Stadtwerken Hürth niemand zu erreichen sei, so die Anwohner. Ein Mitarbeiter sei im Ruhestand und meldet sich nach mehreren Anrufen anschließend doch. Wut und Unsicherheit wachsen. Die Bewohner der Kierdorfer Straße denken an ihre Häuser, die sie mit Darlehen finanziert haben. Sie fragen sich, ob eine Sanierung ihre Existenz bedroht.

„Wer ist zuständig?“ – eine Frage, die anscheinend nicht weiterführt

Während wir lebhaft sprechen, kommt Bürgermeister Dirk Breuer hinzu. Er stellt sich in den Kreis der Versammelten und hört zu. Dabei nickt er und zeigt Verständnis für die Sorgen. Er will vermitteln und Ansprechpartner nennen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Stadt und er nicht zuständig seien. Die Stadtwerke Hürth seien formal nicht Teil seiner städtischen Verwaltung. Doch die Bürgerinnen und Bürger reagieren gereizt. Die Stadtwerke sind formal eigenständig, aber faktisch eine 100‑%‑Tochter der Stadt. Das ist ein politisch brisanter Punkt. Zudem ist Breuer Vorsitzender des Aufsichtsrates. Die Menschen reagieren nervös. Für sie wirkt die Frage der Zuständigkeit wie ein Verschieben von Verantwortung. Darüber hinaus befürchten die Betroffenen, dass mit jedem Tag ihre Häuser weiteren Schaden nehmen.

Ein Blick in die offiziellen Unterlagen der Stadtwerke zeigt, dass die Maßnahme seit Sommer 2025 mehrfach verzögert wurde. Gründe waren Auflagen zum Rettungsweg und zum Natur- sowie Artenschutz. Seit der 15. Kalenderwoche 2026 wird laut dem Bericht über laufende Baumaßnahmen wieder gebaut. Dennoch bleibt der Fortschritt gering. Die Stadtwerke verweisen auf ein vorsichtiges Vorgehen, um weitere Schäden zu verhindern. Der Abschluss der Arbeiten am Kanal ist nun für das dritte Quartal 2027 geplant.

Warum nennen die Stadtwerke 2027, während Betroffene von 2028 sprechen? Wer hat diese Information gegeben? Und warum weichen die Angaben voneinander ab? Für die Hausbesitzer ist ein weiteres Jahr Verzögerung nicht nur eine Zahl, sondern ein Risiko. Ein Jahr mehr bedeutet ein Jahr mehr Unsicherheit, ein Jahr mehr mögliche Schäden und ein Jahr mehr Belastung für Menschen, die ihre Häuser mit Darlehen finanziert haben. Anwohnerinnen und Anwohner des hinteren Abschnitts der Kierdorfer Straße schauen besorgt in die Runde. Dabei fürchten sie die näherrückenden Bauarbeiten und um mögliche Schäden an ihren Häusern. Eine Bürgerin teilt mit, dass eine Interessensgemeinschaft gegründet sei.

Ein Thema, das keinen Aufschub duldet

Die Betroffenen wollen Antworten. Sie wollen Klarheit, Verantwortung und Schutz. Die Schäden sind sichtbar. Die Angst ist real. Die Arbeiten gehen weiter. Ich treffe mich mit den Menschen vor Ort und werde das Geschehen begleiten. Die Bewohner der Kierdorfer Straße brauchen Schutz für ihre Häuser.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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